{"id":353,"date":"2009-09-29T15:51:05","date_gmt":"2009-09-29T13:51:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mindmorph.de\/?p=353"},"modified":"2009-09-30T15:30:06","modified_gmt":"2009-09-30T13:30:06","slug":"stille","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mindmorph.de\/index.php\/magick\/aleister-crowley\/stille\/","title":{"rendered":"STILLE"},"content":{"rendered":"<h3>von Aleister Crowley<\/h3>\n<p>Von all den magischen und mystischen Kr\u00e4ften, von all den Gnaden der Seele, von all den Errungenschaften des Geistes, wurde nichts so mi\u00dfverstanden, auch wenn mit allem gesegnet, wie die Stille.<\/p>\n<p>Es w\u00e4re nicht m\u00f6glich die gew\u00f6hnlichen Irrt\u00fcmer aufzuz\u00e4hlen: nein, es mag gesagt werden, da\u00df selbst daran denken in sich selbst ein Irrtum ist; denn seine Natur ist pures Sein, um es auch so auszudr\u00fccken, Nichts, so da\u00df es sich hinter allem Intellektualismus oder Intuition befindet. So kann denn das \u00e4u\u00dferste dieses Essay blo\u00df eine Art W\u00e4chteramt sein, als ob es ein Bereich der Loge sei, in dem das Geheimnis der Stille konsumiert werden kann.<br \/>\nBez\u00fcglich dieser Haltung gibt es eine solide traditionelle Autorit\u00e4t; denn Harpokrates, Gott der Stille, wird Der Herr der Verteidigung und des Schutzes genannt.<br \/>\nAber seine Natur ist in keiner Weise die passive und negative Stille welches das Wort gew\u00f6hnlich bedeutet; denn er ist der Ewig wandernde Geist; der reine und vollkommene fahrende Ritter, der alle R\u00e4tsel beantwortet und das geschlossene Portal der Tochter des K\u00f6nigs \u00f6ffnet. Aber Stille im gew\u00f6hnlichen Sinne ist nicht die Antwort auf das R\u00e4tsel der Sphinx; es ist das, was durch die Antwort geschaffen wird. Denn Stille ist das Gleichgewicht der Perfektion; so da\u00df Harpokrates die Urform ist, der universale Schl\u00fcssel zu jedem Mysterium. Die Sphinx ist das R\u00e4tsel, die feminine Idee zu der es blo\u00df ein Gegenst\u00fcck gibt, immer in der Form unterschiedlich und immer in der Essenz identisch. Dies ist die Bedeutung der Geste dieses Gottes; es wird viel klarer in seiner erwachsenen Form, als der Narr des Tarot gesehen und als Bacchus Diphues, und ohne Zweideutigkeit, wenn er als Baphomet erscheint.<\/p>\n<p>Wenn wir noch weiter in seinen Symbolismus eindringen ist die erste Qualit\u00e4t, die unsere Aufmerksamkeit erregt, zweifellos seine Unschuld. Nicht ohne tiefe Weisheit wird er Zwilling von Horus genannt; und dies ist das \u00c6on von Horus: er ist es, der Aiwass sandte um sein Kommen zu verk\u00fcnden. Die vierte Kraft der Sphinx ist die Stille; f\u00fcr uns, die wir nach dieser Kraft als die Krone unseres Werkes streben, wird es von \u00e4u\u00dferstem Wert sein, seine Unschuld und seine F\u00fclle zu erlangen. Wir m\u00fcssen allerdings zu erst verstehen, da\u00df die Wurzel moralischer Verantwortung, \u00fcber die der Mensch bl\u00f6dsinnigerweise sich selbst lobt, da sie ihn von den Tieren unterscheidet, Beschr\u00e4nkung ist, welches das Wort der S\u00fcnde ist. Tats\u00e4chlich ist da Wahrheit in der hebr\u00e4ischen Fabel, da\u00df das Wissen von Gut und B\u00f6se den Tod bringt. Unschuld wiederzugewinnen ist Eden wieder-zugewinnen. Wir m\u00fcssen lernen ohne dieses m\u00f6rderische Bewu\u00dftsein zu leben, da\u00df jeder Atemzug, den wir machen, die Segel unseres gebrechlichen Bootes schwellen l\u00e4\u00dft, um uns n\u00e4her zum Hafen unseres Grabes bringen. Wir m\u00fcssen unsere Angst durch Liebe besiegen; erkennend, da\u00df jede Handlung ein Orgasmus ist und deren totaler Erfolg nichts als Geburt ist. Und: Liebe ist das Gesetz: so mu\u00df jede Handlung Rechtschaffenheit sein und Wahrheit. Durch bestimmte Meditationen wird dies verstanden und festgestellt werden; und dies sollte so vollst\u00e4ndig getan werden, da\u00df wir uns unserer Heiligkeit nicht bewu\u00dft werden, denn nur dann wird Unschuld vollkommen. Dieser Zustand ist in der Tat eine notwendige Bedingung jener wirklichen Kontemplation, die wir f\u00fcr gew\u00f6hnlich als die erste Aufgabe des Aspiranten begreifen: die L\u00f6sung der Frage &#8222;Was ist mein wahrer Wille?&#8220; Denn bis wir unschuldig werden k\u00f6nnen wir sicher sein, da\u00df wir st\u00e4ndig mit einem Regelwerk von scheinbar Richtigem oder Falschem \u00fcber unseren Willen richten; in anderen Worten, wir sind f\u00e4hig unseren Willen von Au\u00dfen zu kritisieren, wobei Wahrer Wille wie eine Font\u00e4ne von Licht von Innen hervorspringen sollte, und ungepr\u00fcft, kochend vor Liebe, in den Ozean des Lebens flie\u00dfen sollte.<\/p>\n<p>Dies ist die wahre Idee von Stille; es ist unser Wille, der hervorkommt, vollkom-men elastisch, sublim, um jeden Zwischenraum des Universums der Manifestation zu f\u00fcllen, welches er auf seinem Wege trifft. Da ist kein Abgrund zu gro\u00df f\u00fcr seine unerme\u00dfliche St\u00e4rke, keine Enge zu schwierig f\u00fcr seine gelassene Subtilit\u00e4t. Er pa\u00dft sich mit perfekter Pr\u00e4zision jeder Notwendigkeit an; sein Flie\u00dfen ist die Garantie seiner Treue. Seine Form wird stetig variiert durch jene besondere Unvollkommenheit mit der sie zusammentrifft: seine Essenz ist in allen F\u00e4llen identisch. Und immer ist der Effekt seiner Aktion Perfektion, das ist Stille; und diese Perfektion ist immer dieselbe, vollkommen zu sein, doch immer unterschiedlich, weil jeder Fall seine eigene besondere Quantit\u00e4t und Qualit\u00e4t darstellt.<\/p>\n<p>Es ist unm\u00f6glich f\u00fcr die Inspiration etwa Dithyramben der Stille singen; denn jeder neue Aspekt von Harpokrates ist durch alle Ewigkeiten der Musik des Universums wert. Ich wurde einfach durch meine loyale Liebe zu dieser seltsamen Rasse geleitet, in der ich mich selbst inkarniert wiederfinde, um diese einfachen Verse des unendlichen Epos von Harpokrates zu verfassen, als w\u00e4re es eine Facette seiner fruchtbaren Brillianz die ein h\u00f6chst erw\u00fcnschtes Licht brach, um auf meinen dunklen Eingang zu scheinen, zu seinem Schrein der strahlenden, unaussprechlichen Gottheit.<\/p>\n<p>Ich preise das \u00fcppige Entz\u00fccken der Unschuld, die virile und allgestaltende Ekstase der All-Erf\u00fcllung; ich preise das gekr\u00f6nte und erobernde Kind dessen Name Kraft und Feuer ist, dessen Subtilit\u00e4t und St\u00e4rke Gelassenheit hervorbringt, dessen Energie und Ausdauer vollenden die Erlangung der Jungfrau des Absoluten; und, wenn manifestiert, der Spieler auf der siebenf\u00e4ltigen Fl\u00f6te ist, der Gro\u00dfe Gott Pan, und, sich in die Vollkommenheit willentlich zur\u00fcckziehend, wiederum die Stille ist.<\/p>\n<hr \/>\n<p><em>Aus &#8218;Little Essays Toward Truth&#8216;, First edition published privately by <a href=\"http:\/\/www.oto.de\/documents\/STILLE.htm\">O.T.O.<\/a> London 1938 e.v.<\/em><\/p>\n<p>\u00dcbersetzt von Fra*Sobek-Ra<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Aleister Crowley Von all den magischen und mystischen Kr\u00e4ften, von all den Gnaden der Seele, von all den Errungenschaften des Geistes, wurde nichts so mi\u00dfverstanden, auch wenn mit allem gesegnet, wie die Stille. 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