{"id":373,"date":"2009-09-29T17:24:14","date_gmt":"2009-09-29T15:24:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mindmorph.de\/?p=373"},"modified":"2009-09-30T15:29:16","modified_gmt":"2009-09-30T13:29:16","slug":"lachen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mindmorph.de\/index.php\/magick\/aleister-crowley\/lachen\/","title":{"rendered":"Lachen"},"content":{"rendered":"<h3>von Aleister Crowley<\/h3>\n<p>Der bei allen mystischen Systemen gleiche Defekt vor dem \u00c6on, dessen Gesetz Thelema ist, ist der, da\u00df dort kein Platz f\u00fcr das Lachen ist. Aber die Verzweiflung der trauernden Mutter und die Melancholie des sterbenden Mannes wurde durch das vertrauensvolle L\u00e4cheln des unsterblichen Kindes in den Abyss gesp\u00fclt.<\/p>\n<p>Und da gibt es keine kritischere Vision in der Karriere des Adepten von Horus, als der universale Witz.<\/p>\n<p>In dieser Trance akzeptiert er die Formel von Osiris voll, und in dem Akt transzendiert er sie; der Speer des Centurio geht harmlos durch sein Herz, und das Schwert des Henkers streift nutzlos seinen Nacken. Er entdeckt, da\u00df die Trag\u00f6die, aus dem so viele Zeitalter gemacht wurden, gerade eine Farce f\u00fcr das Vergn\u00fcgen eines Kindes ist. Der Schlag kommt hart, nur um wieder grinsend aufzustehen mit einem &#8222;Hoppla, hier bin ich wieder!&#8220; Der Kirchendiener, der Henker und der Teufel sind auch blo\u00df Gesellen dieses Spieles.<\/p>\n<p>Und dann, nach dem er dachte, da\u00df alle diese Trag\u00f6dien wirklich genug waren, ist die Essenz seiner Erkenntnis, da\u00df sie f\u00fcr ihn doch nicht so wahr sind, wie er dachte; sie sind blo\u00df eine Art Ph\u00e4nomen, so interessant und so nichtssagend machtlos, um ihn wie jedes andere Geschick zu ber\u00fchren. Sein pers\u00f6nlicher Kummer war seinem leidenschaftlichen Beharren auf Kontemplation bedeutungsloser Anf\u00e4nge von Begebenheiten angemessen, als w\u00e4ren sie wirklich Realit\u00e4t und wichtig, in der wirklich unendlichen Masse von Manifestationen.<\/p>\n<p>So ist es, da\u00df das Wahrnehmen des kosmischen Witzes direkt zum Verst\u00e4ndnis der Idee des Selbstes als Gegensatz zum Universum f\u00fchrt und zur selben Zeit Eins mit ihm, Sch\u00f6pfer desselben und fern von ihm; dieser dreif\u00e4ltige Status ist, wie bekannt, eine der notwendigen Stufen des Samadhi. ( Dies ist der H\u00f6hepunkt eines der zwei wichtigsten Kapitel der Bhagavadgita. )<\/p>\n<p>Darin gibt es auch noch einen zus\u00e4tzlichen Wert. Die Idee des Lachens beinhaltet die Idee der Grausamkeit, wie es schon viele Philosophen gezeigt haben; und dies ist zweifellos der Grund, warum es in den mystischen Schulen der Bemitleidenswerten von ihren langweiligen Lehrpl\u00e4nen ausgeschlossen wurde. Die einzige Antwort ist, die Achseln in l\u00e4chelnder Verachtung zu zucken. Denn auf diesen Fels und keinen anderen sind sie mit ihren kleinen Booten gestrandet, einer nach dem anderen, inmitten des Ozeans von &#8222;********* gedasma&#8220;(1). Die Natur ist voller Grausamkeit; ihre H\u00f6hepunkte der Freude und des Sieges sind durch Lachen markiert. Es ist die wahre physiologische Explosion und Entspannung einer Spannung, die es hervor bringt. Nebenbei, solche Drogen wie Cannabis Indica und Anhalonium Lewinii, welche wirklich den &#8222;G\u00fcrtel der Seele l\u00f6st, damit sie atmen kann&#8220;, bewirken unmittelbares Lachen als eines ihrer charakteristischen Effekte.<\/p>\n<p>Oh diese gro\u00dfe und gesunde Verachtung des begrenzten Selbstes, welches im Sinne Gargantuanischen Mi\u00dfverh\u00e4ltnisses in diesem Lachen wahrgenommen wird! Wirklich erschl\u00e4gt es, in fr\u00f6hlichstem kannibalischen Schwelgen, das saure, schwarz gekleidet missionarische, ernsthafte Selbst, und wirft es in einen Topf. Hihi &#8211; die Stimme der Zivilisation &#8211; der Verk\u00fcnder des Gottes der Wei\u00dfen &#8211; brodel, brodel, brodel. Wirf noch eine handvoll Weiser hinein, Bruder! Und der s\u00fc\u00df duftende Rauch steigt auf und verschleiert mit auserlesen scheuer Verf\u00fchrung die schamlosen K\u00f6rper der Sterne!<\/p>\n<p>\u00dcber all diesem als praktischen Wert &#8211; seit die Wegweiser bei jeder Abzweigung nur VORSICHT lauten &#8211; direkt durch die Kraft dieses geschlagenen Selbst hervorbrechend, ist der Gebrauch von Lachen als ein W\u00e4chter vor dem Wahnsinn. Wie leicht ist es f\u00fcr die Scharlatane der Rhetorik den kleinsten Enthusiasmus der Seele zu verf\u00fchren! Welche Hilfe haben wir, sofern wir nicht den Witz haben, sie f\u00fcr l\u00e4cherlich zu halten? Da gibt es kein Limit f\u00fcr den Abgrund an Idiotie, worin uns diese Quacksalber sto\u00dfen wollen &#8211; unser einziger Schutzreflex ist der automatische Witz unseres Sinnes f\u00fcr Humor!<\/p>\n<p>Robert Browning war dem K\u00f6nigreich Gottes nicht weit entfernt, als er schrieb:<\/p>\n<p>Freut euch, da\u00df der Mensch<br \/>\ngeschleudert wird<br \/>\nUnaufh\u00f6rlich von Wechsel zu Wechsel<br \/>\nDa\u00df seiner Seele Schwingen sich<br \/>\nnicht entfalten.<\/p>\n<p>Und hier ist nach allem ein wenig Salz im Spott von Juvenals &#8222;Satur est cum dicit Horatio &#8218;Evohe!&#8220;(2) Denn es mu\u00df hier festgestellt werden, da\u00df ein jeglicher Mensch seinen Gef\u00e4hrten Hilfe und Trost durch Trauer brachte.<\/p>\n<p>Nein, der universale Witz, auch wenn er keine wahre Trance ist, ist ganz sicherlich ein Mittel der Gnade, und oft best\u00e4tigter Hauptbestandteil der universalen Erl\u00f6sung.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zu Browning, zu den k\u00fchnen letzten Worten die er schrieb, w\u00e4hrend das Schicksal seine letzten Jahre z\u00e4hlte:<\/p>\n<p>Gr\u00fc\u00dfe das Ungesehene mit Jubel<br \/>\nBiete ihm die Stirn, Brust und R\u00fccken<br \/>\nWas immer du willst.<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p>W\u00fcrde die Welt verstanden sein<br \/>\nW\u00fcrdest du sehen, sie ist gut.<br \/>\nEin Tanz zu einem feinen Takt!<\/p>\n<p>Ja gewi\u00df! La\u00dft uns mit dem nun pl\u00f6tzlich \u00fcberraschenden Wort eines Engels aus The Vision and the Voice enden, der den Seher, der in eine feierliche Trance glitt, verlie\u00df, mit dem fr\u00f6hlich lachenden Vers &#8211; &#8222;Ich aber gehe tanzen!&#8220;<\/p>\n<p>Die Tafeln des Gesetzes? Bah! Solvuntur tabul\u00e6 &#8211; risu! (3)<\/p>\n<p>(1) ungez\u00e4hltes L\u00e4cheln<br \/>\n(2) &#8222;Horaz war gut ges\u00e4ttigt, als er &#8218;Evohe&#8216; rief!&#8220;<br \/>\n(3) La\u00dft uns die Tafeln zerbrechen! &#8211; Mit Gel\u00e4chter!<\/p>\n<hr \/>\n<p><em>Aus &#8218;Little Essays Toward Truth&#8216;, First edition published privately by <a href=\"http:\/\/www.oto.de\/documents\/LACHEN.htm\">O.T.O.<\/a> London 1938 e.v.<\/em><\/p>\n<p>\u00dcbersetzt von Fra*Sobek-Ra<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Aleister Crowley Der bei allen mystischen Systemen gleiche Defekt vor dem \u00c6on, dessen Gesetz Thelema ist, ist der, da\u00df dort kein Platz f\u00fcr das Lachen ist. Aber die Verzweiflung der trauernden Mutter und die Melancholie des sterbenden Mannes wurde durch das vertrauensvolle L\u00e4cheln des unsterblichen Kindes in den Abyss gesp\u00fclt. 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